{"id":1416,"date":"2019-03-24T19:17:11","date_gmt":"2019-03-24T19:17:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/?p=1416"},"modified":"2019-03-24T19:17:11","modified_gmt":"2019-03-24T19:17:11","slug":"stopisds-finger-weg-von-unserem-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/?p=1416","title":{"rendered":"StopISDS &#8211; Finger weg von unserem Wasser!"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1417\" src=\"https:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/gerechterwelthandel.png\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"71\" \/><a href=\"https:\/\/www.gerechter-welthandel.org\/2019\/03\/22\/wasser-schuetzen-konzernklagen-stoppen\/\">Beitrag<\/a> zum Weltwassertag am 22.3.2019<\/p>\n<p>Handels- und Investitionsschutzabkommen verleihen internationalen Konzernen das<br \/>\nRecht, Regierungen auf Schadensersatz zu verklagen, wenn deren Gesetze<br \/>\nKonzerninvestitionen sch\u00e4digen. Aktuelle Schadensersatzforderungen richten sich<br \/>\nbeispielsweise gegen den deutschen Atomausstieg (Vattenfall vs. Bundesrepublik<br \/>\nDeutschland) oder gegen die Verpflichtung von Konzernen, f\u00fcr Umweltsch\u00e4den zu<br \/>\nhaften (Chevron vs. Ecuador).<\/p>\n<h3>ISDS-Fall. Wasserkonzern SUEZ verklagt Argentinien (Fall 1)<\/h3>\n<p>Doch immer wieder geht es in diesen Klagen auch um die Wasserversorgung, den<br \/>\nbezahlbaren Zugang zu sauberem Trinkwasser und die Abwasserentsorgung.<br \/>\nBeispielsweise bei einer Klage des franz\u00f6sischen Wasserkonzerns Suez gegen<br \/>\nArgentinien: Ein von Suez gef\u00fchrtes Konsortium hatte 1993 die Konzession f\u00fcr<br \/>\ndie Wasserversorgung und Abwasserentsorgung im Gro\u00dfraum Buenos Aires erhalten.<br \/>\nDie Folgen der Privatisierung waren wie \u00fcblich: Tausende verloren ihren Job,<br \/>\ndie Wasserqualit\u00e4t verschlechterte sich, Wasserpreise wurden erh\u00f6ht. Anfang der<br \/>\n2000er Jahre war Argentinien durch die Finanzkrise zu einer Krisenpolitik<br \/>\ngezwungen, unter anderem wurden die Preise f\u00fcr die Energie- und Wasserversorgung<br \/>\neingefroren und die W\u00e4hrung entwertet. 2006 k\u00fcndigte Argentinien den<br \/>\nKonzessionsvertrag vorzeitig und beauftragte wieder ein \u00f6ffentliches Unternehmen<br \/>\nmit der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. Doch Suez verklagte<br \/>\nArgentinien auf Grundlage bilateraler Investitionsschutzabkommen, die das Land<br \/>\nmit Frankreich und Spanien abgeschlossen hatte. Im April 2015 gab das<br \/>\nSchiedsgericht dem Konzern recht und verurteilte Argentinien zur Zahlung von<br \/>\nfast 405 Millionen US-Dollar Schadensersatz.<\/p>\n<h3>ISDS-Fall. Wasserkonzern SUEZ verklagt Argentinien (Fall 2)<\/h3>\n<p>In einem weiteren \u00e4hnlichen Fall ging es um die Wasserversorgung in der<br \/>\nargentinischen Stadt Santa Fe, auch hier wurde das Land \u2013 mitten in der<br \/>\nWirtschaftskrise \u2013 zur Zahlung von Schadensersatz in H\u00f6he von 225 Millionen<br \/>\nUS-Dollar verurteilt.<\/p>\n<div id=\"attachment_1418\" style=\"width: 719px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1418\" class=\"size-full wp-image-1418\" src=\"https:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/wwt2019.png\" alt=\"\" width=\"709\" height=\"468\" srcset=\"https:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/wwt2019.png 709w, https:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/wwt2019-300x198.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><p id=\"caption-attachment-1418\" class=\"wp-caption-text\">Aktion am Weltwassertag. Foto: Uwe Hiksch<\/p><\/div>\n<h3>ISDS-Fall. Kanadischer Konzern verklagt Kanada wegen Fracking-Moratorium<\/h3>\n<p>Auch wenn Regierungen gegen Wasserverschmutzung vorgehen, drohen<br \/>\nSchiedsgerichtsklagen. Die Regierung der kanadischen Provinz Qu\u00e9bec<br \/>\nbeispielsweise verh\u00e4ngte 2011 ein Moratorium auf Fracking, da sie eine<br \/>\nVerschmutzung des Sankt-Lorenz-Strom nicht ausschlie\u00dfen konnte. Der kanadische<br \/>\nEnergiekonzern Lone Pine Resources Inc. reichte daraufhin eine<br \/>\nInvestor-Staat-Klage bei einem internationalen Schiedsgericht ein und fordert<br \/>\nSchadensersatz in H\u00f6he von 250 Millionen kanadische Dollar (rund 168 Millionen<br \/>\nEuro). Rechtliche Grundlage war das Nordamerikanische Freihandelsabkommen<br \/>\nNAFTA. Da die Sonderklagerechte nur von ausl\u00e4ndischen Konzernen genutzt werden<br \/>\nk\u00f6nnen, reichte Lone Pine Resources die Klage \u00fcber eine Tochtergesellschaft im<br \/>\nUS-Steuerparadies Delaware ein.<\/p>\n<h3>ISDS-Fall. Niederl\u00e4ndische Konzern United Utilities verklagt Republik Estland<\/h3>\n<p>In einem weiteren ISDS-Fall klagt der niederl\u00e4ndische Konzern United Utilities<br \/>\n(Tallinn) B.V. gegen die Republik Estland, da die staatlichen<br \/>\nRegulierungsbeh\u00f6rden eine weitere Erh\u00f6hung der Wasserpreise im Jahr erstmalig<br \/>\n2011 ablehnten. F\u00fcr die Sicherstellung bezahlbarer Wasserversorgung soll Estland<br \/>\nnun Schadensersatz von \u00fcber 90 Millionen Euro zahlen. Das Verfahren ist noch<br \/>\nnicht beendet, und da es auf einem bilateralen Investitionsschutzabkommen<br \/>\nzwischen Estland und den Niederlanden \u2013 zwei EU-Mitgliedsstaaten \u2013 basiert, ist<br \/>\nauch fraglich ob es jemals zu einem g\u00fcltigen Schiedsspruch kommen wird: Denn im<br \/>\nM\u00e4rz 2018 hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof diese Abkommen zwischen<br \/>\nEU-Mitgliedsstaaten f\u00fcr unvereinbar mit EU-Recht erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Diese F\u00e4lle zeigen, dass Investitionsschutz auch eine Gefahr f\u00fcr die Versorgung<br \/>\nmit bezahlbarem und sauberem Wasser darstellt. Dass aufgrund des EuGH-Urteils<br \/>\nalle Investitionsschutzabkommen zwischen EU-Mitgliedsstaaten beendet werden<br \/>\nm\u00fcssen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung \u2013 doch nicht genug. Wir<br \/>\nfordern eine Beendigung aller Investitionsschutzabkommen, um das Recht auf<br \/>\nWasser sicherstellen zu k\u00f6nnen und Regulierung im \u00f6ffentlichen Interesse auch in<br \/>\nanderem Bereichen zu erm\u00f6glichen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1399\" src=\"https:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/190110_StopISDS_Logo_complete_4c_D_PFAD-300x229.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"153\" \/><\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt unsere Forderung und unterzeichnet die aktuelle europaweite Petition<br \/>\n\u201e<a href=\"https:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/?p=1366\">Menschenrechte sch\u00fctzen \u2013 Konzernklagen stoppen!<\/a><\/p>\n<p>Beitrag <a href=\"https:\/\/www.stoppt-ttip-berlin.de\/?p=1366\">hier<\/a><\/p>\n<p><strong>Literatur u.a.:<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Ruth Laskowski: <em>Rechtliches Gutachten zu m\u00f6glichen Verst\u00f6\u00dfen gegen<\/em><br \/>\n<em>Investitionsschutzregelungen des Freihandelsabkommens CETA durch<\/em><br \/>\n<em>Ma\u00dfnahmen der kommunalen Wasserwirtschaft, ISDS-Schiedsgerichtsverfahren<\/em><br \/>\n<em>und Haftungsfragen<\/em>. 2016. (<a href=\"https:\/\/aoew.de\/media\/Aktuelles\/Laskowski_Gutachten_20_09_2016.pdf\">pdf<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag zum Weltwassertag am 22.3.2019 Handels- und Investitionsschutzabkommen verleihen internationalen Konzernen das Recht, Regierungen auf Schadensersatz zu verklagen, wenn deren Gesetze Konzerninvestitionen sch\u00e4digen. 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